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LESEPROBE:
Gedanken werden Gold
von Peter Staaden
Auszüge aus: Gedanken werden Gold
Mittlerweile - ich befand mich jetzt bestimmt schon eine Viertelstunde unter meinem Bett - war mir richtig warm geworden. Die Luft wurde immer stickiger, und ich schwitzte am ganzen Körper. Mein Atem glich einem hechelnden Hund, der gerade von einer Kaninchenjagd zurückgekommen war. So hatte es keinen Zweck. Ich war einfach zu verängstigt und wollte mein Vorhaben abbrechen.
Was ist nur mit dir los, beruhige dich doch, versuchte ich, meine Fassung wiederzuerlangen. Mir kam die Idee, Musik zu hören, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Schweißnass kroch ich unter dem Bett hervor, schaltete das Radio an und atmetet tief durch. Die Klänge gaben mir mehr Selbstvertrauen. Ich drehte die Musik noch lauter, damit ich die Stimme des Sängers auch unter dem Bett gut hören konnte. Aus den Lautsprechern tönte ein englisches Lied: ”I want to reach out, to touch the flame". Flink rutschte ich wieder unter mein Bett. Selbstvergessen streckte ich den Arm nach meinem Geheimfach aus, schob das Brett nach hinten und fischte mit der Hand nach dem Umschlag. Doch meine Hand griff ins Leere. Nichts war zu finden, nichts als Staub. Ungläubig machte ich mich etwas länger, drückte meinen Körper weiter nach vorne und erreichte so das Versteck etwas besser. Dann drehte ich schwerfällig den Kopf noch ein wenig, um richtig in das Fach einblicken zu können, kniff die Augen zum Schutz leicht zusammen, spähte vorsichtig hinein als erwartete ich etwas Schmerzhaftes. Doch es war leer, der Brief tatsächlich nicht mehr vorhanden.
Aus den Lautsprechern klang die Stimme des Sängers:
”I still haven't found what I'm looking for."
* * *
Unser Wiedersehen war spät zu Ende, und als ich mich schon nach Mitternacht wieder in meinem Zimmer befand, atmete ich erleichtert auf, zufrieden mit mir und der Welt. Zum Glück war ich meiner inneren Stimme gefolgt, hatte den Brief verschwiegen, so dass Dina mir nichts angemerkt hatte. Ich fühlte mich zum ersten Mal wieder etwas wohler in meiner Haut. Bevor ich mich in mein Bett legte, zog ich den Brief aus der Hosentasche und suchte ein neues Versteck. Mein selbstgemaltes Bild über dem Schreibtisch schien mir spontan der richtige Ort. Ohne lange zu überlegen, nahm ich es deshalb schnell von der Wand, klemmte den Brief hinten, auf der Rückseite in eine Ecke des Rahmens, damit der Umschlag sicher und fest steckte. Sorgfältig hing ich das Bild wieder an seinen angestammten Platz zurück. Ich war nun todmüde, legte mich in mein Bett, um sofort in tiefen Schlaf zu fallen. Noch in dieser Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum:
Ich stand in einer Wiese, die Sonne strahlte von einem hellblauen klaren Himmel, es war warm. Um mich herum, so weit ich sehen konnte, nur herrlich grünes, hohes Gras. Dazwischen Blumen in allen erdenklichen Färbungen und Düften. Aus der Ferne vernahm ich ein bezauberndes Lied:
”... suchend in die Sonne schauend ... ... bin ich wirklich nicht allein ...”
Angezogen von den lieblichen Tönen, bewegte ich mich schwebend durch das wehende, grüne Meer.
”... fürchte was ich finden könnte ...
wagte ich einen Blick hinein ...”
Nicht weit von mir entfernt sah ich einen großen alten Holztisch mitten in der Wiese stehen. Auf ihm waren einige Flaschen und Behälter, gefüllt mit Flüssigkeiten und verschiedenen pulvrigen Substanzen angeordnet. Außerdem standen dort diverse Glaskolben, Reagenzgläser, sowie Schmelz- und Destilliergefäße.
Von der Musik getragen, schritt ich auf den Tisch zu. Zwischen der Versuchsanordnung entdeckte ich einige zerknitterte Papiere. Ich nahm das oberste an mich , strich es glatt und begann zu lesen:
Copyright 2009 Peter Staaden
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